Sicherheitsreport 2026

Zwei Drittel der Bürger haben Angst vor militärischem Konflikt mit deutscher Beteiligung  

Im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung führt das Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach jährlich eine repräsentative Befragung zu den Risikowahrnehmungen und -Einschätzungen der Bevölkerung durch. Im Folgenden sind die zentralen Ergebnisse des Sicherheitsreports des Jahres 2026 zusammengefasst. Pressemitteilung sowie Präsentation stehen am Seitenende zum Download bereit.

  • Weiter rückläufiges Sicherheitsgefühl
  • Die USA werden zunehmend als Sicherheitsrisiko gesehen
  • Zweifel an der NATO, wachsendes Zutrauen in die Bundeswehr
  • Breite Mehrheit für verpflichtendes Dienstjahr

Sorgen vor allem über äußere und innere Sicherheit

Der seit vier Jahren andauernde Krieg in der Ukraine ist unverändert eine der größten Sorgen der Bevölkerung. Ebenso ängstigt die Bundesbürger die generell unberechenbare Weltlage und das Risiko, dass Deutschland in militärische Konflikte hineingezogen werden könnte. 78 Prozent der Bürger machen sich große Sorgen über den Krieg in der Ukraine, 72 Prozent über die immer unberechenbarere Lage in Europa und der Welt, 69 Prozent in Bezug auf das Risiko, dass Deutschland direkt an militärischen Konflikten beteiligt werden könnte. Auch innere Sicherheit ist für die große Mehrheit unverändert ein Sorgenpunkt: 63 Prozent machen sich große Sorgen über Kriminalität und zunehmende Gewaltphänomene.

Weiter rückläufiges Sicherheitsgefühl

Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist von bereits niedrigem Niveau aus weiter gesunken. 2025 fühlten sich 60 Prozent in Deutschland alles in allem sicher, aktuell noch 55 Prozent. Dies ist nicht nur ein steiler Rückgang gegenüber der Pandemiezeit, als das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung außerordentlich hoch war, sondern auch gegenüber 2019; damals fühlten sich annähernd drei Viertel der Bevölkerung in Deutschland alles in allem sicher.

Die USA werden zunehmend als Sicherheitsrisiko gesehen

Wie schon die akuten Sorgen der Bevölkerung zeigen, beunruhigt sie der Ukraine-Krieg nach wie vor wie kaum ein anderes Thema. Die Ukraine führt auch die Konfliktregionen an, die der Bevölkerung die größten Sorgen machen. 89 Prozent machen sich über die Ukraine und Russland die größten Sorgen, mit einigem Abstand gefolgt vom Nahen Osten. Die Sorgen über den Nahen Osten sind zwar zurückgegangen, aber die große Mehrheit ist keineswegs überzeugt, dass die Region befriedet ist: 69 Prozent macht der Nahe Osten nach wie vor große Sorgen. Auf den nächsten Rängen folgen Venezuela und Taiwan. Der Kurs der USA gegenüber Venezuela stimmt knapp die Hälfte der Bevölkerung außerordentlich besorgt, ähnlich viele beunruhigt das China/Taiwan-Problem. Dagegen sind Sorgen über Syrien und Nordkorea signifikant zurückgegangen.

Sinkendes Vertrauen in die NATO

Noch vor einem Jahr war die Mehrheit der Bevölkerung zuversichtlich, dass die NATO einen russischen Angriff auf ein Mitgliedsland erfolgreich abwehren könnte. Aktuell glauben das nur noch 42 Prozent, ein Rückgang innerhalb von zwölf Monaten von 14 Prozentpunkten. „Das Vertrauen der Deutschen in die NATO ist schlagartig eingebrochen. Auf die Unterstützung durch die USA im Bündnisfall hofft nur noch eine Minderheit,“ sagt Professor Dr. Klaus Schweinsberg, der Mitherausgeber des Sicherheitsreports.

Zutrauen in Stärkung der Bundeswehr

Die Mehrheit der Bevölkerung hat Zutrauen, dass es gelingt, die Bundeswehr in den nächsten Jahren deutlich zu stärken. Vor zwei Jahren waren davon lediglich 38 Prozent überzeugt, aktuell 56 Prozent. Zwar überwiegt noch der Eindruck, dass es hier in den vergangenen zwei Jahren nur sehr begrenzt Fortschritte gab, doch fällt die Bilanz der Bevölkerung zunehmend positiver aus. 2024 hatten lediglich 16 Prozent der Bevölkerung den Eindruck, dass es in den ein, zwei Jahren zuvor bereits Fortschritte bei der Ausrüstung der Bundeswehr gab, aktuell sind davon 34 Prozent überzeugt. Der Anteil, der noch keinerlei nennenswerte Fortschritte erkennen kann, ist in den vergangenen zwei Jahren von 60 auf 46 Prozent zurückgegangen.

Breite Unterstützung für ein verpflichtendes Dienstjahr

Einen breiten Konsens gibt es in Bezug auf den Vorschlag, ein allgemein verpflichtendes Dienstjahr für Schulabgänger einzuführen. Wenn junge Männer und Frauen für ein Jahr verpflichtet werden, aber die Wahl haben zwischen der Bundeswehr und zivilen Diensten, so wird dieser Vorschlag von 72 Prozent der Bevölkerung unterstützt, auch von 60 Prozent der unter 30-Jährigen.

„Vor dem Hintergrund einer grundsätzlichen positiven Haltung der Deutschen zu Wehrpflicht oder einem verpflichtenden Dienstjahr, ist es völlig unverständlich, warum hier die Politik keine klaren Entscheidungen trifft. Angesichts der absehbaren Herausforderungen für unser Land ist das Unterlassen der Politik mindestens grob fahrlässig,“ kritisiert Professor Dr. Klaus Schweinsberg.

 

Über den Sicherheitsreport:

Der Sicherheitsreport wurde 2011 vom Centrum für Strategie und Höhere Führung entwickelt und wird seither jährlich erhoben.

Im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung führt das Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach jährlich eine repräsentative Befragung zu den Risikowahrnehmungen und -einschätzungen der Bevölkerung durch. Die Befragung wurde zwischen dem 6. und 19. Januar 2026 durchgeführt. Die Leitung der Studie liegt bei Professor Dr. Renate Köcher und Professor Dr. Klaus Schweinsberg.

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